Warum ist die faire Immobilienbewertung beim Verkauf so wichtig?
Wer eine Immobilie verkauft, trifft in kurzer Zeit viele Entscheidungen. Keine hat so weitreichende Folgen wie die Frage, zu welchem Preis die Immobilie an den Markt gehen soll. Der Preis entscheidet nicht nur darüber, wie viel am Ende auf dem Konto landet, sondern auch darüber, wie viele Interessenten sich melden, wie lange der Verkauf dauert und mit welchem Gefühl Verkäufer und Käufer den Notartermin verlassen.
Meine Überzeugung nach vielen Verkaufsprozessen in Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe: Eine faire Bewertung führt zu einem schnelleren Verkauf als eine zu hohe Bewertung, der erzielte Verkaufspreis ist sogar höher, und beide Seiten haben trotzdem ein gutes Gefühl.
Die kurze Antwort
Warum ist die faire Immobilienbewertung beim Verkauf so wichtig? Weil der Preis, mit dem eine Immobilie an den Markt geht, über Nachfrage, Verkaufsdauer und Endpreis entscheidet. Ein marktgerechter Ausgangspreis erreicht in den ersten Wochen die meisten ernsthaften Interessenten, schafft Wettbewerb unter den Käufern und führt dadurch häufig zu einem schnelleren Verkauf und zu einem höheren Verkaufspreis als ein überhöhter Preis, der später mehrfach gesenkt werden muss.
- Schneller verkauft: Eine faire Bewertung nutzt die Phase der höchsten Aufmerksamkeit, in der eine Immobilie neu am Markt ist.
- Besserer Preis: Käufer verhandeln realistisch, wenn sie den Angebotspreis als nachvollziehbar empfinden. Preissenkungen und Ladenhüter-Effekte entfallen.
- Gutes Gefühl auf beiden Seiten: Verkäufer erleben einen strukturierten, planbaren Prozess, Käufer das Gefühl eines angemessenen Preises.
- Praxisbeispiel aus Bielefeld: Bei den letzten Verkäufen des Autors wurden 97 % und 96 % des Angebotspreises erzielt. Der Angebotspreis lag dabei 5 % über dem ermittelten Bewertungspreis. Der Weg vom Auftrag bis zum unterzeichneten Kaufvertrag dauerte jeweils weniger als vier Monate.
Warum der Preis die wichtigste Entscheidung beim Verkauf ist
In meiner täglichen Arbeit als Immobilienmakler erlebe ich es immer wieder: Der Preis bestimmt, wie viele Interessenten sich melden, wie intensiv die Besichtigungen verlaufen, wie die Verhandlung geführt wird und wie lange der gesamte Prozess dauert.
Das klingt zunächst widersprüchlich. Schließlich liegt der Gedanke nahe, dass ein höherer Angebotspreis auch einen höheren Verkaufspreis ermöglicht, weil man ja immer noch nachgeben kann. Genau hier liegt der häufigste und teuerste Irrtum beim Immobilienverkauf. In diesem Beitrag erkläre ich, warum das so ist, wie eine faire Bewertung zustande kommt und was Sie als Verkäufer konkret tun können.
Für wen ist dieser Beitrag gedacht? Für Eigentümer in Bielefeld und der Region, die den Verkauf ihrer Immobilie erwägen oder bereits planen, für Erben, die gemeinsam über den Verkauf eines Elternhauses entscheiden, und für alle, die verstehen wollen, wie Preisfindung am Immobilienmarkt tatsächlich funktioniert.
Was bedeutet „faire Immobilienbewertung“ überhaupt?
Im Alltag werden „Wert“, „Preis“ und „Bewertung“ oft vermischt. Für den Verkaufserfolg ist die Unterscheidung jedoch entscheidend.
Marktwert und Verkehrswert
Der Verkehrswert, auch Marktwert genannt, ist der Preis, der zu einem bestimmten Stichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten und tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse zu erzielen wäre. So ist er im Baugesetzbuch definiert. Entscheidend ist der Zusatz „ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse“. Der Marktwert fragt also nicht, was sich ein Eigentümer wünscht oder was er in die Immobilie investiert hat, sondern was ein verständiger Käufer unter normalen Marktbedingungen bezahlen würde.
Bewertungspreis, Angebotspreis und Verkaufspreis
In meiner Praxis arbeite ich mit drei klar getrennten Größen:
- Bewertungspreis: Das Ergebnis der professionellen Bewertung, also der realistisch erzielbare Marktpreis der Immobilie.
- Angebotspreis: Der Preis, mit dem die Immobilie öffentlich angeboten wird. Er enthält in meiner Systematik einen angemessenen Verhandlungsspielraum.
- Verkaufspreis: Der Preis, der im notariellen Kaufvertrag tatsächlich vereinbart wird.
Diese Unterscheidung löst das Missverständnis auf, ein fairer Angebotspreis bedeute, Geld zu verschenken. Das Gegenteil ist der Fall: Wer mit einem Angebotspreis arbeitet, der etwa 5 % über dem ermittelten Bewertungspreis liegt, bewahrt sich Verhandlungsspielraum und bleibt dennoch in einem Bereich, den der Markt als glaubwürdig akzeptiert.
Was „fair“ bedeutet
- Fair gegenüber dem Markt: Der Preis orientiert sich an nachvollziehbaren Vergleichsdaten, am Zustand der Immobilie und an der aktuellen Nachfrage, nicht an Hoffnungen oder Anschaffungskosten.
- Fair gegenüber dem Verkäufer: Die Bewertung berücksichtigt alle wertbildenden Merkmale, auch die positiven, und schöpft das Potenzial realistisch aus, ohne es zu überdehnen.
- Fair gegenüber dem Käufer: Der Käufer kann den Preis nachvollziehen, seine Bank wird ihn tragen, und er hat nicht das Gefühl, überfahren zu werden.
Eine faire Bewertung ist also kein „Preisdrücken“. Sie ist ein Ausgleich, der den Verkauf erst ermöglicht.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
- Wunschpreis: Ein subjektiver Betrag, der sich häufig aus Anschaffungskosten, Investitionen oder dem Finanzbedarf für den nächsten Schritt ergibt. Er hat mit dem Markt zunächst nichts zu tun.
- Versicherungswert: Der Betrag, der für den Wiederaufbau eines Gebäudes anzusetzen wäre. Er sagt wenig über den Verkaufspreis aus.
- Beleihungswert: Ein von Banken vorsichtig ermittelter Wert, auf dessen Grundlage Darlehen vergeben werden. Er liegt in der Regel unter dem Marktwert, ist aber für die Finanzierung Ihrer Käufer von großer Bedeutung.
- Bodenrichtwert: Er wird von den Gutachterausschüssen ermittelt und beschreibt den durchschnittlichen Lagewert von Grund und Boden. Er ist eine Rechengröße in der Bewertung, kein Verkaufspreis.
Meine Praxiserfahrung: Was die Zahlen zeigen
Theorie ist hilfreich, doch am Ende zählen Ergebnisse. Deshalb zeige ich, was bei meinen jüngsten Verkäufen tatsächlich passiert ist.
Die Kennzahlen aus meinen letzten Verkäufen
- Der Angebotspreis lag jeweils 5 % über dem ermittelten Bewertungspreis.
- Realisiert wurden 97 % beziehungsweise 96 % des Angebotspreises.
- Vom Auftrag bis zum unterzeichneten Kaufvertrag vergingen jeweils weniger als vier Monate.
Hinweis: Es handelt sich um die Ergebnisse einzelner, jüngster Verkäufe und nicht um eine Marktstatistik. Jede Immobilie, jede Lage und jede Käufersituation ist individuell.
Was das rechnerisch bedeutet
Die Prozentwerte werden greifbar an einem fiktiven Rechenbeispiel. Angenommen, die professionelle Bewertung ergibt einen Bewertungspreis von 400.000 Euro:
- Bewertungspreis: 400.000 €
- Angebotspreis (Bewertungspreis plus 5 %): 420.000 €
- Verkaufspreis bei 97 % (420.000 € × 0,97): 407.400 €
- Verkaufspreis bei 96 % (420.000 € × 0,96): 403.200 €
In diesem Beispiel liegt der Verkaufspreis bei 97 % des Angebotspreises etwa 1,85 % über dem Bewertungspreis, bei 96 % etwa 0,8 % darüber. Der Käufer verhandelt zwar vom Angebotspreis herunter, doch am Ende wird der ermittelte Marktwert nicht unterschritten, sondern leicht übertroffen. Das ist der Kern meiner Aussage: Der Verkaufspreis ist höher als der Wert, den die Bewertung ausweist, und die Immobilie ist dennoch in kurzer Zeit verkauft.
Das Beispiel ist rein illustrativ. Die konkreten Beträge Ihrer Immobilie hängen von Lage, Zustand und Marktlage ab.
Warum die Kombination aus Tempo und Preis kein Zufall ist
Viele Eigentümer gehen davon aus, dass sich Schnelligkeit und Preis ausschließen: Wer schnell verkaufen will, müsse Abstriche machen, und wer den besten Preis will, müsse Geduld haben. Meine Erfahrung ist eine andere. Die ersten Wochen, in denen eine Immobilie neu am Markt ist, sind die wertvollsten. In dieser Phase ist die Aufmerksamkeit am größten, die Interessentenliste füllt sich, und Käufer, die lange auf ein passendes Objekt gewartet haben, schlagen schnell zu. Wer in dieser Phase einen glaubwürdigen Preis aufruft, schafft Wettbewerb, und Wettbewerb ist der stärkste Preistreiber, den es am Immobilienmarkt gibt.
Wie wird eine Immobilie professionell bewertet?
Eine faire Bewertung ist kein Bauchgefühl. Sie folgt anerkannten Verfahren, die in Deutschland in der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) geregelt sind. Diese unterscheidet drei Hauptverfahren. Welches geeignet ist, hängt von der Art der Immobilie ab.
Das Vergleichswertverfahren
Beim Vergleichswertverfahren wird der Wert aus tatsächlich erzielten Kaufpreisen vergleichbarer Objekte abgeleitet. Es eignet sich besonders für Eigentumswohnungen und Grundstücke, bei denen viele vergleichbare Verkäufe vorliegen. Entscheidend ist die Qualität der Vergleichsdaten: Lage, Baujahr, Größe, Ausstattung und Zustand müssen sich entsprechen, andernfalls sind Zu- und Abschläge nötig. Typische Anwendung: Eigentumswohnungen, Reihenhäuser in homogenen Siedlungen, Baugrundstücke.
Das Sachwertverfahren
Das Sachwertverfahren setzt sich aus dem Wert des Bodens und dem Wert der baulichen Anlagen zusammen. Die Herstellungskosten des Gebäudes werden unter Berücksichtigung von Alter, Baumängeln und Bauschäden gemindert. Anschließend wird der Sachwert mit einem Marktanpassungsfaktor an die tatsächlichen Marktverhältnisse angepasst. Diese Marktanpassung ist wesentlich, denn der reine Sachwert allein bildet nicht ab, was Käufer tatsächlich zahlen. Typische Anwendung: Selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser.
Das Ertragswertverfahren
Beim Ertragswertverfahren steht die nachhaltig erzielbare Miete im Vordergrund. Aus dem Reinertrag wird unter Berücksichtigung von Liegenschaftszins und Restnutzungsdauer ein Wert abgeleitet. Dieses Verfahren wird bei Renditeobjekten angewendet. Typische Anwendung: Mehrfamilienhäuser, vermietete Wohn- und Geschäftshäuser, gewerbliche Immobilien.
Was in jeder Bewertung zusätzlich einfließt
- Lage: Mikrolage (Straße, Nachbarschaft, Infrastruktur) und Makrolage (Stadtteil, Anbindung, Region)
- Zustand: Modernisierungsstand von Dach, Fassade, Fenstern, Heizung, Leitungen und Bädern
- Energetische Qualität: Energieausweis, Heizungsart und Sanierungsbedarf spielen bei Käufern eine zunehmend wichtige Rolle
- Grundstück und Grundriss: Zuschnitt, Nutzbarkeit, Ausbaupotenzial
- Rechtliche Merkmale: Grundbuchlasten, Wegerechte, Erbbaurecht, Baulasten, Teilungserklärung
- Aktuelle Marktlage: Nachfrage, Angebotsdichte, Zinsniveau und Finanzierungsbedingungen
Wo die Daten herkommen
Eine seriöse Bewertung stützt sich auf überprüfbare Quellen: Bodenrichtwerte und Grundstücksmarktberichte der örtlichen Gutachterausschüsse, eigene Vergleichsverkäufe, Marktbeobachtung und die Objektunterlagen selbst. Für Nordrhein-Westfalen sind die Bodenrichtwerte über das Portal BORIS.NRW öffentlich einsehbar.
Der Unterschied zwischen Zahl und Einschätzung
Eine Bewertung ist nie nur eine Rechnung. Das Ergebnis eines Verfahrens ist ein Ausgangspunkt, der durch Marktkenntnis eingeordnet werden muss. Ob ein Objekt in einer bestimmten Straße gerade gefragt ist, ob ähnliche Objekte aktuell auf Interessenten treffen und wie lange vergleichbare Angebote tatsächlich am Markt waren, ergibt sich nicht aus einer Formel. Hier verbinden sich Methodik und Erfahrung.
Warum zu hohe Preise den Verkauf ausbremsen
Der Wunsch nach einem hohen Preis ist menschlich und nachvollziehbar. Wer jahrelang in einer Immobilie gelebt, sie gepflegt und vielleicht modernisiert hat, verbindet damit Erinnerungen und Investitionen. Der Markt kennt diese Geschichte nicht. Er sieht ein Exposé, Fotos, eine Adresse und eine Zahl. Und diese Zahl entscheidet, ob ein Interessent überhaupt anruft.
Die ersten Wochen sind die wertvollsten
Jede Immobilie hat einen Moment, in dem sie neu am Markt ist. In dieser Phase passiert dreierlei:
- Suchaufträge schlagen an. Interessenten, die auf Immobilienportalen Suchaufträge eingerichtet haben, werden automatisch informiert. Wer aktiv sucht, reagiert schnell.
- Die Neugier ist am größten. Ein neues Angebot weckt Aufmerksamkeit, auch bei Käufern, die sich gerade erst orientieren.
- Der Vergleich ist frisch. Käufer, die seit Wochen oder Monaten suchen, kennen die aktuellen Angebote sehr genau. Sie erkennen sofort, ob ein neues Objekt im Verhältnis zum Markt günstig, angemessen oder überteuert ist.
Diese erste Phase lässt sich nicht wiederholen. Ein Objekt kann nur einmal neu sein. Wer in dieser Zeit mit einem überhöhten Preis antritt, verschenkt genau den Moment, in dem die Nachfrage am stärksten wäre.
Was bei einem überhöhten Preis tatsächlich passiert
- Er filtert die falschen Interessenten heraus. Kaufkräftige, ernsthafte Käufer vergleichen Preise. Sie sehen, dass das Objekt teurer ist als vergleichbare Angebote, und scrollen weiter. Es entsteht kein Kontakt, den Sie hätten überzeugen können.
- Er zieht die falschen Interessenten an. Es melden sich Käufer, die auf Schnäppchen aus sind oder ohne gesicherte Finanzierung suchen. Besichtigungen kosten Zeit und führen nicht zum Abschluss.
- Er macht Ihr Objekt zum Vergleichsmaßstab für andere. Ein überteuertes Angebot dient Käufern als Folie: Sie sehen daran, wie viel günstiger die Alternative ist, und kaufen das Konkurrenzobjekt.
- Er erzeugt Verhandlungsdruck von der falschen Seite. Käufer, die dennoch besichtigen, verhandeln häufig hart, weil sie die Preisdifferenz spüren und begründen müssen.
Der Ladenhüter-Effekt
Immobilien, die lange am Markt sind, entwickeln einen schlechten Ruf, auch wenn sie objektiv in Ordnung sind. Interessenten fragen sich, was mit dem Objekt nicht stimmt, wenn es schon so lange angeboten wird. Dieses Misstrauen ist im Markt weit verbreitet. Es führt dazu, dass die verstreichende Zeit selbst zum Argument gegen die Immobilie wird. Wer dann den Preis senkt, wird selten als Entgegenkommen wahrgenommen, sondern als Bestätigung, dass der ursprüngliche Preis nicht stimmte.
Der „Verhandlungsspielraum“-Irrtum
Einer der häufigsten Gedanken von Verkäufern lautet: „Wir setzen den Preis lieber höher an, Käufer wollen ja ohnehin verhandeln.“ Das Argument trägt nur bis zu einer Grenze. Ein gewisser Spielraum ist sinnvoll und wird vom Markt akzeptiert. Wird der Abstand zum Marktwert jedoch zu groß, verhandelt der Käufer gar nicht erst: Er ruft nicht an. Deshalb arbeite ich mit einem moderaten Aufschlag von etwa 5 % über dem Bewertungspreis. Er gibt dem Käufer das gute Gefühl, verhandelt zu haben, und dem Verkäufer die Sicherheit, dass das Ergebnis am Ende dem Marktwert entspricht oder ihn leicht übertrifft.
Der Teufelskreis der Preissenkung
Wer mit einem zu hohen Preis startet und dann merkt, dass die Resonanz ausbleibt, fällt häufig in einen Mechanismus, den ich als Teufelskreis der Preissenkung bezeichne.
- Hoher Start: Das Objekt geht mit einem Preis über dem Marktwert an den Markt.
- Wenig Resonanz: Es gibt kaum Anfragen oder nur Besichtigungen ohne Abschluss.
- Verunsicherung: Der Verkäufer zweifelt am Objekt, am Makler oder am Markt.
- Kleine Preissenkung: Der Preis wird in kleinen Schritten gesenkt, um „zu testen“, wo der Markt liegt.
- Weiter geringe Resonanz: Kleine Senkungen wirken im Markt kaum.
- Weitere Senkung: Der Preis wird erneut reduziert, oft mehrfach.
- Image als Ladenhüter: Das Objekt gilt als „gebrannt“. Interessenten erwarten weitere Senkungen und warten ab.
- Verkauf unter Wert: Am Ende wird das Objekt häufig zu einem Preis verkauft, der unter dem liegt, was eine faire Bewertung von Anfang an ermöglicht hätte, und nach deutlich längerer Zeit.
Warum kleine Senkungen selten helfen
Preissenkungen sind dann wirksam, wenn sie spürbar sind und das Objekt in eine neue Preiskategorie bringen. Viele Portale und Suchaufträge arbeiten mit Preisgrenzen. Wer knapp unter eine solche Grenze rutscht, wird von einer neuen Interessentengruppe gefunden. Kleine Senkungen über der Grenze bleiben unbemerkt. Sie kosten den Verkäufer Geld, ohne die Reichweite zu erhöhen.
Der psychologische Preis der Verzögerung
Jeder Monat, in dem ein Objekt nicht verkauft ist, belastet auch emotional. Besichtigungen, Absagen, Warten und die Ungewissheit über den nächsten Schritt zehren an der Geduld. Erfahrungsgemäß sinkt mit der Zeit die Verhandlungsposition: Wer müde ist und zum Abschluss kommen will, gibt eher nach. Käufer spüren das. Eine faire Bewertung beugt diesem Kreislauf vor.
Der Ankereffekt: Warum 5 % Verhandlungsspielraum funktionieren
Der Ankereffekt beschreibt, dass Menschen bei Entscheidungen stark von der ersten genannten Zahl beeinflusst werden. Das Phänomen ist in der Psychologie und Verhaltensökonomie gut erforscht und wird in Verhandlungen häufig genutzt. Beim Immobilienverkauf ist der Angebotspreis dieser Anker. Er prägt, wie Käufer das Objekt einordnen, wie sie ihr eigenes Gebot formulieren und wie sie das Ergebnis am Ende bewerten.
Zwei Anker im Vergleich
Ein zu hoher Anker: Der Käufer erkennt, dass der Preis nicht zum Objekt passt. Er verliert Vertrauen, argumentiert mit Mängeln und bietet deutlich darunter. Das Verhandlungsklima ist angespannt, weil beide Seiten in verschiedenen Welten rechnen.
Ein glaubwürdiger Anker: Der Käufer sieht einen Preis, der zum Markt passt. Er verhandelt, aber im Rahmen. Er will nicht herausfinden, ob der Verkäufer bluft, sondern ob noch etwas „drin“ ist. Das Ergebnis ist ein Abschluss nahe am Angebotspreis.
Das gute Gefühl beim Käufer
Käufer wollen das Gefühl haben, gut verhandelt zu haben. Ein Angebotspreis mit moderatem Spielraum gibt ihnen genau diese Möglichkeit. Sie können einen Nachlass erreichen, ohne dass der Verkäufer unter Wert verkaufen muss. In meiner Praxis heißt das: 97 % beziehungsweise 96 % des Angebotspreises, und beide Seiten verlassen den Verhandlungstisch zufrieden.
Warum die Prozentzahl wichtig ist
Der Aufschlag von 5 % ist kein Dogma und hängt vom Objekt, der Lage und dem Marktumfeld ab. Entscheidend ist das Prinzip: Der Angebotspreis sollte so gewählt sein, dass er glaubwürdig bleibt und gleichzeitig Spielraum lässt. Ein Aufschlag von 5 % ist im Markt nachvollziehbar. Ein Aufschlag von 20 % oder 30 % wird als Signal fehlender Marktkenntnis gelesen.
Die Käuferseite: Finanzierung, Bank und Beleihungswert
Ein Argument für faire Bewertungen, das in der Praxis oft entscheidend wird, kommt aus der Finanzierung. Die meisten Immobilienkäufer finanzieren einen Teil des Preises mit einem Darlehen. Die Bank prüft deshalb den Wert der Immobilie.
Was die Bank prüft
Banken ermitteln einen Beleihungswert, also einen vorsichtig angesetzten Wert, auf dessen Basis sie das Darlehen vergeben. Dieser Wert liegt üblicherweise unter dem Marktwert. Je größer der Abstand zwischen Kaufpreis und Beleihungswert, desto mehr Eigenkapital muss der Käufer einbringen oder desto schwieriger wird die Finanzierung.
Was das für Verkäufer bedeutet
Vereinbart ein Verkäufer mit einem Käufer einen Preis, der deutlich über dem Marktwert liegt, kann die Finanzierung scheitern. Dann zieht sich der Prozess hin, die Verhandlung beginnt von vorn, oder der Kaufvertrag kommt gar nicht zustande. Im ungünstigsten Fall hat der Verkäufer Wochen verloren und steht wieder am Anfang. Ein fairer Preis dagegen lässt sich in der Regel besser finanzieren. Das senkt das Risiko, dass ein Verkauf an der Finanzierung scheitert, und beschleunigt die Abwicklung bis zum unterzeichneten Kaufvertrag.
Die Kaufnebenkosten im Blick
Käufer kalkulieren nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die Nebenkosten. Dazu zählen Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten und gegebenenfalls Maklerprovision. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Grunderwerbsteuersatz 6,5 %. Hinzu kommen Kosten für Renovierung, Umzug und eine Rücklage. Je höher der Kaufpreis, desto höher fallen auch diese Nebenkosten aus, die der Käufer in der Regel aus Eigenkapital stemmen muss.
Der informierte Käufer
Käufer sind heute besser informiert als je zuvor. Sie vergleichen Portale, kennen Bodenrichtwerte, lassen Vergleichsdaten prüfen und sprechen mit Banken und Beratern. Ein Angebotspreis, der nicht zum Markt passt, fällt schnell auf.
Die Verkäuferseite: Was Zeit wirklich kostet
Ein höherer Angebotspreis wirkt wie ein Gewinn. Doch jede Woche, in der die Immobilie nicht verkauft ist, hat ihren Preis. Diese Kosten werden in der Rechnung vieler Verkäufer nicht berücksichtigt.
Laufende Kosten der unverkauften Immobilie
- Finanzierungskosten: Bestehen noch Darlehen, laufen die Zinsen weiter.
- Grundsteuer und Gebäudeversicherung: Sie fallen unabhängig vom Verkaufsstand an.
- Nebenkosten und Instandhaltung: Heizung, Strom, Wasser, Gartenpflege und Reparaturen laufen weiter, auch bei Leerstand.
- Doppelbelastung: Wer bereits neu gekauft oder gemietet hat, zahlt unter Umständen zweimal.
- Aufwand und Zeit: Besichtigungen, Termine und Abstimmungen binden Kapazitäten.
Die Rechnung dahinter
Es lohnt sich, einmal nachzurechnen, was ein zusätzlicher Monat tatsächlich kostet. Dauert ein überteuerter Verkauf mehrere Monate länger als ein fair bepreister, summiert sich das schnell auf einen Betrag, der den vermeintlichen Preisvorteil aufzehrt. Dazu kommen die Preissenkungen, die häufig folgen. Diese Betrachtung sollte für Ihre Situation individuell durchgespielt werden.
Planungssicherheit als Wert
Ein Verkauf in unter vier Monaten, wie ich ihn bei meinen letzten Abschlüssen erlebt habe, bedeutet für Verkäufer vor allem eines: Planbarkeit. Sie wissen, wann der Erlös zur Verfügung steht, wann der Umzug stattfinden kann und wie die weitere Lebens- oder Vermögensplanung aussieht. Dieser Wert lässt sich schwer beziffern, ist aber für viele Eigentümer mindestens so wichtig wie der letzte Euro im Verkaufspreis.
Emotionaler Wert und Marktwert
Kaum ein anderes Wirtschaftsgut ist so emotional aufgeladen wie die eigene Immobilie. Sie ist Wohnort, Lebensmittelpunkt, Kapitalanlage und oft ein Stück Familiengeschichte. Genau deshalb fällt es vielen Eigentümern schwer, den Marktwert nüchtern zu akzeptieren. Das ist menschlich. Eine gute Bewertung nimmt diese Gefühle ernst, ohne sich von ihnen leiten zu lassen.
Zwei Wertbegriffe, die nebeneinander bestehen
- Ideeller Wert: Erinnerungen, Verbundenheit, die selbst gepflanzten Bäume, die Kinder, die hier aufgewachsen sind. Dieser Wert ist real, aber nur für Sie.
- Marktwert: Der Preis, den ein fremder Käufer für die Immobilie unter normalen Marktbedingungen zahlt. Dieser Wert ist nüchtern und für alle Marktteilnehmer gleich.
Problematisch wird es, wenn der ideelle Wert in den Angebotspreis einfließt. Der Käufer bezahlt keine fremden Erinnerungen. Er bezahlt Wohnfläche, Lage, Zustand und Perspektive.
Typische emotionale Preisfaktoren
- „Wir haben damals so viel in die Immobilie investiert.“
- „Das Haus meiner Eltern ist doch mehr wert.“
- „Der Nachbar hat doch auch so viel bekommen.“
- „Ich brauche mindestens diesen Betrag für meinen nächsten Schritt.“
- „Eine Online-Bewertung hat einen viel höheren Wert ausgewiesen.“
Jedes dieser Argumente hat nachvollziehbare Gründe. Doch keines davon wird vom Käufer berücksichtigt. Investitionen erhöhen den Wert nur insoweit, wie der Markt sie honoriert. Der Preis des Nachbarn hing von dessen Objekt, Zeitpunkt und Käufer ab. Und der Finanzbedarf des Verkäufers ist für den Markt kein Preisargument.
Sonderfall Erbengemeinschaft
Bei Erbengemeinschaften müssen sich mehrere Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen auf einen Preis einigen. Jemand hängt emotional am Haus, jemand anderes braucht schnell Liquidität, ein Dritter wohnt weit entfernt und möchte das Thema abschließen. Eine neutrale, nachvollziehbare Bewertung schafft hier eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Sie ersetzt Diskussionen über Gefühle durch eine Zahl, die alle prüfen können.
Sonderfall Trennung oder Scheidung
Auch bei Trennungen ist ein fairer, belegbarer Wert wichtig. Beide Seiten müssen mit dem Ergebnis leben können. Je nach Situation kann auch ein Verkehrswertgutachten sinnvoll sein, etwa wenn eine Auseinandersetzung rechtlich dokumentiert werden muss.
Wie ich mit emotionalen Erwartungen umgehe
Mein Ansatz ist, die Bewertung transparent und nachvollziehbar zu erläutern. Ich zeige Vergleichsobjekte, erkläre die Rechenwege und benenne offen, welche Merkmale den Preis stützen und welche ihn bremsen. Eine Zahl, die man versteht, akzeptiert man leichter als eine Zahl, die einem vorgesetzt wird.
Beide Seiten mit gutem Gefühl: Der faire Abschluss
Ein guter Verkauf ist mehr als eine hohe Zahl im Kaufvertrag. Ein guter Verkauf ist ein Abschluss, bei dem beide Seiten zufrieden sind. Das gute Gefühl hat handfeste Wirkung:
- Weniger Abbrüche: Käufer, die den Preis als fair empfinden, springen seltener kurz vor dem Notartermin ab.
- Weniger Nachverhandlungen: Wer nicht das Gefühl hat, übervorteilt zu werden, sucht nicht nach Gründen, den Preis nachträglich zu drücken.
- Reibungslosere Abwicklung: Bei Übergabe und Klärung kleiner Restfragen herrscht Kooperation statt Misstrauen.
- Empfehlungen: Zufriedene Verkäufer empfehlen weiter.
Was einen fairen Abschluss ausmacht
- Transparenz: Der Verkäufer versteht jede Zahl, die ihn betrifft, von der Bewertung bis zum Notarvertrag.
- Ehrliche Kommunikation: Gute und schlechte Nachrichten werden offen angesprochen, auch Feedback aus Besichtigungen.
- Respekt für beide Seiten: Käufer sind keine Gegner, sondern Partner auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel.
- Klare Struktur: Termine, Unterlagen und Zuständigkeiten sind geordnet, sodass kein Stress entsteht.
- Ein Preis, der trägt: Der Preis hält der Prüfung durch Bank, Gutachter und Käuferumfeld stand.
Vom Auftrag zum unterzeichneten Kaufvertrag
Der Weg vom Maklerauftrag bis zur Unterschrift unter den Kaufvertrag umfasst mehrere Phasen: Bewertung, Vorbereitung und Aufbereitung der Unterlagen, Vermarktung, Besichtigungen, Verhandlung, Finanzierungsnachweis, Notarvorbereitung und Beurkundung. Bei den eingangs genannten Verkäufen lag die Dauer vom Auftrag bis zum unterzeichneten Kaufvertrag jeweils unter vier Monaten. Ich führe dies nicht auf Zufall zurück, sondern auf das Zusammenspiel aus fairer Bewertung, professioneller Vermarktung und einer strukturierten Abwicklung.
Besonderheiten im Markt Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe
Immobilienmärkte sind lokal. Was in einer Stadt gilt, muss in der nächsten nicht stimmen. Deshalb gehört zu einer fairen Bewertung immer auch ein genauer Blick auf den regionalen Markt.
Bielefeld als Markt mit vielen Gesichtern
Bielefeld gliedert sich in zehn Stadtbezirke: Mitte, Schildesche, Gadderbaum, Brackwede, Dornberg, Jöllenbeck, Heepen, Stieghorst, Sennestadt und Senne. Jeder Bezirk hat ein eigenes Profil, eine eigene Käuferschaft und eigene Preisniveaus. Innerhalb der Bezirke unterscheiden sich einzelne Straßen und Quartiere teils erheblich. Eine pauschale „Bielefeld-Bewertung“ greift daher zu kurz. Die Mikrolage ist oft entscheidender als die Stadt: Nähe zum Teutoburger Wald, Anbindung an Straßenbahn und Bus, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Lärmbelastung und Gebietscharakter wirken sich unterschiedlich auf die Nachfrage aus.
Die Region Ostwestfalen-Lippe
Zu Ostwestfalen-Lippe zählen neben Bielefeld unter anderem die Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn. Die Region ist wirtschaftlich breit aufgestellt, mit starker mittelständischer Industrie und einem vielfältigen Immobilienangebot von urbanen Wohnungen bis zu ländlichen Einfamilienhäusern. Jede Gemeinde hat ihre eigene Dynamik, und Vergleichswerte aus der Nachbarstadt lassen sich nicht ungeprüft übertragen.
Woran sich Käufer in der Region orientieren
Käufer in der Region vergleichen typischerweise Angebote in mehreren Orten. Das bedeutet für Verkäufer: Der Angebotspreis wird nicht nur an der eigenen Straße gemessen, sondern an einem größeren Suchraum. Regionale Marktkenntnis ist deshalb Voraussetzung für eine glaubwürdige Preisfindung.
Öffentliche Datenquellen nutzen
- Bodenrichtwerte über BORIS.NRW
- Grundstücksmarktberichte des zuständigen Gutachterausschusses für Grundstückswerte
- Vergleichsangebote auf den großen Immobilienportalen, wobei dort Angebotspreise stehen und keine erzielten Verkaufspreise
Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Angebotspreise sind keine Verkaufspreise. Sie zeigen, was Verkäufer sich wünschen, nicht, was Käufer tatsächlich bezahlen. Eine faire Bewertung stützt sich deshalb vorrangig auf erzielte Preise und Marktkenntnis.
Marktphasen verstehen
Immobilienmärkte verändern sich mit Zinsniveau, Baukosten, Nachfrage und gesellschaftlichen Entwicklungen. Eine Bewertung ist immer eine Momentaufnahme zum Stichtag. Wer Preise aus der Vergangenheit auf die Gegenwart überträgt, riskiert eine Fehleinschätzung.
Der Bewertungsprozess Schritt für Schritt
Schritt 1: Das Erstgespräch
Am Anfang steht ein Gespräch über Ihre Situation. Warum möchten Sie verkaufen? Welchen zeitlichen Rahmen haben Sie? Was ist Ihnen wichtig? Die richtige Preisstrategie hängt auch davon ab, ob Schnelligkeit, Maximalpreis oder Planungssicherheit im Vordergrund steht.
Schritt 2: Unterlagen sammeln
- Grundbuchauszug
- Flurkarte und Lageplan
- Grundrisse und Wohnflächenberechnung
- Baubeschreibung und Baugenehmigungen
- Energieausweis
- Teilungserklärung und Protokolle der Eigentümerversammlungen (bei Eigentumswohnungen)
- Nachweise über Modernisierungen und Reparaturen
- bei Vermietung: Mietverträge und Mietaufstellung
Vollständige Unterlagen beschleunigen nicht nur die Bewertung, sie schaffen später auch Vertrauen bei Kaufinteressenten.
Schritt 3: Die Besichtigung vor Ort
Bei der Objektbesichtigung prüfe ich Zustand, Ausstattung, Grundriss, Besonderheiten und Umfeld. Ich achte auf wertsteigernde Merkmale ebenso wie auf Mängel oder Sanierungsbedarf. Eine reine Datenbewertung aus der Ferne kann den tatsächlichen Eindruck eines Objekts nicht ersetzen.
Schritt 4: Marktanalyse und Vergleich
Anschließend werte ich vergleichbare Objekte aus: Was wurde in ähnlicher Lage verkauft? Welche Angebote konkurrieren aktuell? Wie lange sind vergleichbare Objekte am Markt?
Schritt 5: Wertermittlung nach anerkannten Verfahren
Je nach Objektart wende ich Vergleichswert-, Sachwert- oder Ertragswertverfahren an und ordne das Ergebnis anhand der Marktlage ein. Das Ergebnis ist der Bewertungspreis.
Schritt 6: Die Preisstrategie
Aus dem Bewertungspreis entwickle ich gemeinsam mit dem Eigentümer den Angebotspreis. In meiner Praxis liegt dieser bei etwa 5 % über dem Bewertungspreis.
Schritt 7: Vermarktung und Auswertung
Mit professionellem Exposé, hochwertigen Fotos und gezielter Ansprache geht die Immobilie an den Markt. Während der Vermarktung werte ich Resonanz und Feedback laufend aus und stimme mit dem Eigentümer ab, ob die Strategie aufgeht.
Schritt 8: Verhandlung, Finanzierung und Notar
In der Verhandlung achte ich darauf, dass beide Seiten gehört werden. Ich prüfe Finanzierungsnachweise, bereite den Notartermin vor und begleite bis zur Unterschrift.
Die zehn häufigsten Fehler bei der Preisfindung
- Den Preis nach Wunsch statt nach Markt festlegen. Der Finanzbedarf oder die Erwartung des Eigentümers ist kein Preisargument für den Käufer.
- Sich auf Online-Rechner allein verlassen. Automatisierte Tools liefern eine grobe Orientierung, erfassen aber Zustand, Mikrolage und Besonderheiten nur eingeschränkt.
- Anschaffungs- und Modernisierungskosten mit dem Wert verwechseln. Was Sie investiert haben, ist nicht automatisch das, was der Markt honoriert.
- Angebotspreise mit Verkaufspreisen gleichsetzen. Portale zeigen Wünsche, nicht Abschlüsse.
- Zu hoch starten, „um Spielraum zu haben“. Wird der Abstand zum Markt zu groß, bleibt die Nachfrage aus.
- Mit zu kleinen Schritten senken. Kleine Preissenkungen werden kaum wahrgenommen, kosten aber Geld und Zeit.
- Die Anfangsphase verschenken. Die ersten Wochen sind die aufmerksamkeitsstärkste Zeit und lassen sich nicht wiederholen.
- Mängel verschweigen oder kleinreden. Das zerstört Vertrauen und führt später zu Nachverhandlungen oder zu rechtlichen Problemen.
- Unterlagen unvollständig vorlegen. Fehlende Dokumente verzögern Finanzierung und Beurkundung.
- Mehrere unterschiedliche Preise kommunizieren. Wer parallel verschiedene Maklerpreise, Eigenwerte und Online-Werte im Umlauf hat, verwirrt Interessenten.
Online-Bewertung, Maklerbewertung und Gutachten im Vergleich
Eigentümer haben heute mehrere Möglichkeiten, den Wert ihrer Immobilie einzuschätzen. Jede Methode hat ihren Zweck, ihre Stärken und ihre Grenzen.
Die Online-Bewertung: nützlich, aber begrenzt
Online-Rechner arbeiten mit statistischen Daten und wenigen Angaben, die Sie selbst eingeben. Sie liefern eine erste Größenordnung. Ihre Grenze liegt dort, wo es auf Details ankommt: Ein sanierter Altbau und ein unsanierter Altbau in derselben Straße unterscheiden sich im Wert, doch ein Algorithmus erkennt das nur, wenn die Angaben stimmen und das Modell den Unterschied abbildet. Ich empfehle, die Online-Bewertung als Einstieg zu nutzen, nicht als Grundlage für die Preisentscheidung.
Die Maklerbewertung: Wert und Vermarktbarkeit
Eine Bewertung durch einen erfahrenen Makler verbindet Wertermittlung mit Marktwissen. Sie beantwortet nicht nur die Frage, was die Immobilie wert ist, sondern auch, zu welchem Preis sie sich in welcher Zeit verkaufen lässt. Ich bin neben meiner Tätigkeit als zertifizierter Immobilienmakler auch als Bewertungssachverständiger qualifiziert, was die fachliche Grundlage solcher Einschätzungen stärkt.
Das Verkehrswertgutachten: wenn es rechtssicher sein muss
Ein Verkehrswertgutachten ist in Situationen sinnvoll, in denen der Wert dokumentiert und belastbar nachgewiesen werden muss, etwa bei Erbauseinandersetzungen, Scheidungen oder bestimmten steuerlichen Fragen. Es ist aufwendiger und kostenpflichtig. Für die reine Verkaufsentscheidung ist es nicht in jedem Fall nötig, kann aber bei Konflikten zwischen Beteiligten eine neutrale Grundlage schaffen.
Welche Methode für wen?
- Sie möchten sich erst einmal informieren: Online-Bewertung als Einstieg
- Sie wollen verkaufen: Bewertung durch einen Makler mit Besichtigung und Marktanalyse
- Mehrere Beteiligte, Streit oder Rechtsfragen: Verkehrswertgutachten erwägen
Checkliste für Verkäufer: In neun Schritten zum fairen Preis
- Ziel klären: Was ist Ihnen wichtig? Tempo, Preis, Planungssicherheit oder eine Kombination?
- Zeitrahmen festlegen: Bis wann soll der Verkauf abgeschlossen sein? Was hängt davon ab?
- Unterlagen zusammenstellen: Grundbuchauszug, Grundrisse, Energieausweis, Modernisierungsnachweise und weitere Dokumente.
- Objektzustand ehrlich einschätzen: Notieren Sie Stärken und Schwächen, auch Reparaturbedarf.
- Mehr als eine Perspektive einholen: Vergleichen Sie Einschätzungen, aber hinterfragen Sie Ausreißer nach oben ebenso kritisch wie nach unten.
- Bewertung nachvollziehen lassen: Lassen Sie sich Vergleichsobjekte und Rechenweg erklären.
- Angebotspreis mit Spielraum festlegen: Ein moderater Aufschlag auf den Bewertungspreis, der glaubwürdig bleibt.
- Die erste Phase nutzen: Bereiten Sie Fotos, Exposé und Besichtigungstermine vor, bevor die Immobilie online geht.
- Marktfeedback ernst nehmen: Werten Sie Anfragen und Besichtigungsrückmeldungen aus und passen Sie bei Bedarf gezielt an.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist eine faire Immobilienbewertung?
Eine faire Immobilienbewertung ermittelt den realistisch erzielbaren Marktwert einer Immobilie anhand anerkannter Bewertungsverfahren, vergleichbarer Verkäufe, des Objektzustands und der aktuellen Marktlage. Sie ist fair gegenüber dem Markt, dem Verkäufer und dem Käufer, weil sie weder Wunschvorstellungen noch Preisdrückerei abbildet.
Führt ein höherer Angebotspreis nicht zu einem höheren Verkaufspreis?
Nicht automatisch. Ein Preis deutlich über dem Marktwert schreckt ernsthafte Käufer ab, verlängert die Vermarktungsdauer und führt häufig zu Preissenkungen. Am Ende wird das Objekt oft unter dem Preis verkauft, der bei einer fairen Bewertung von Anfang an erzielbar gewesen wäre. Ein moderater Aufschlag mit Verhandlungsspielraum ist dagegen sinnvoll.
Wie hoch sollte der Verhandlungsspielraum sein?
Das hängt von Objekt, Lage und Markt ab. In meiner Praxis arbeite ich mit einem Angebotspreis, der etwa 5 % über dem Bewertungspreis liegt. Bei meinen letzten Verkäufen wurden 97 % beziehungsweise 96 % dieses Angebotspreises erzielt. Entscheidend ist, dass der Preis glaubwürdig bleibt.
Wie schnell kann man eine Immobilie in Bielefeld verkaufen?
Die Dauer hängt von Objekt, Lage, Preis und Marktlage ab. Bei meinen jüngsten Verkäufen vergingen vom Auftrag bis zum unterzeichneten Kaufvertrag jeweils weniger als vier Monate. Bis zur Übergabe und Kaufpreiszahlung kommt je nach Vereinbarung noch Zeit hinzu. Eine Zusage für einen bestimmten Zeitraum lässt sich nicht pauschal geben.
Welche Verfahren werden bei der Immobilienbewertung angewendet?
Die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) kennt das Vergleichswertverfahren, das Sachwertverfahren und das Ertragswertverfahren. Eigentumswohnungen werden häufig im Vergleichswertverfahren bewertet, selbst genutzte Häuser im Sachwertverfahren und Renditeobjekte im Ertragswertverfahren.
Ist eine Online-Immobilienbewertung zuverlässig?
Sie bietet eine grobe erste Orientierung. Zustand, Mikrolage und Besonderheiten werden aber nur eingeschränkt erfasst. Für die Preisentscheidung beim Verkauf empfehle ich eine Bewertung mit Besichtigung vor Ort und Marktanalyse.
Brauche ich für den Verkauf ein Verkehrswertgutachten?
Für einen gewöhnlichen Verkauf ist ein Gutachten meist nicht erforderlich. Sinnvoll kann es bei Erbengemeinschaften, Scheidungen, Streitigkeiten oder bestimmten steuerlichen Fragen sein, wenn ein rechtssicher dokumentierter Wert gebraucht wird.
Was passiert, wenn die Bewertung niedriger ausfällt als erwartet?
Das ist nicht ungewöhnlich. Wichtig ist, die Ergebnisse gemeinsam durchzugehen: Welche Vergleichsobjekte wurden herangezogen? Welche Merkmale wirken sich wertmindernd aus? Gibt es Maßnahmen, die den Wert steigern oder die Vermarktung erleichtern? Eine transparente Erläuterung hilft, die Zahl einzuordnen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Muss ich beim Verkauf einen Energieausweis vorlegen?
Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) müssen Verkäufer in der Regel einen Energieausweis vorlegen und bestimmte energetische Pflichtangaben in Immobilienanzeigen machen. Die genauen Anforderungen hängen vom Einzelfall ab. Bei Fragen hierzu sollten Sie sich fachkundig beraten lassen.
Wer zahlt die Maklerprovision?
Bei Verkäufen von Wohnungen und Einfamilienhäusern an Verbraucher gelten seit Dezember 2020 besondere gesetzliche Regeln. Haben beide Seiten den Makler beauftragt, ist die Provision in der Regel zu gleichen Teilen zu tragen. Die konkrete Vereinbarung hängt vom Einzelfall ab und sollte vor dem Maklervertrag geklärt werden.
Muss ich beim Verkauf Steuern zahlen?
Das hängt von Ihrer Situation ab, zum Beispiel davon, ob Sie die Immobilie selbst genutzt oder vermietet haben und wie lange Sie sie besitzen. Bei Verkäufen kann unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb einer Frist von zehn Jahren nach dem Kauf Einkommensteuer anfallen. Bitte lassen Sie das im Einzelfall von einem Steuerberater prüfen. Dieser Beitrag ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.
Was ist der Unterschied zwischen Angebotspreis und Verkaufspreis?
Der Angebotspreis ist der Preis, mit dem die Immobilie öffentlich angeboten wird. Der Verkaufspreis ist der Betrag, der im notariellen Kaufvertrag vereinbart wird. Beide unterscheiden sich in der Regel, weil Käufer verhandeln. Bei meinen letzten Verkäufen lag der Verkaufspreis bei 97 % beziehungsweise 96 % des Angebotspreises.
Wann ist der beste Zeitpunkt, eine Immobilie zu verkaufen?
Den einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht, da er von Ihrer persönlichen Situation und dem Marktumfeld abhängt. Wichtiger als der Kalendermonat sind eine saubere Vorbereitung, vollständige Unterlagen und ein realistischer Preis.
Fazit: Fairness ist die stärkste Verkaufsstrategie
Die Frage, warum die faire Immobilienbewertung beim Verkauf so wichtig ist, lässt sich klar beantworten: Weil sie der Schlüssel zu einem erfolgreichen Verkauf ist, auf der Seite des Preises, der Zeit und des Gefühls.
Erstens: Zeit. Ein glaubwürdiger Preis nutzt die wertvolle Anfangsphase und vermeidet monatelanges Warten und den Teufelskreis der Preissenkung.
Zweitens: Preis. Ein fairer Angebotspreis mit moderatem Spielraum schafft Wettbewerb und führt zu Abschlüssen nahe am Angebot. Bei meinen letzten Verkäufen bedeutete das 97 % beziehungsweise 96 % des Angebotspreises, der 5 % über dem Bewertungspreis lag. Rechnerisch lag der Verkaufspreis damit auf oder leicht über dem ermittelten Marktwert.
Drittens: Gefühl. Beide Seiten verlassen den Verhandlungstisch mit dem Gefühl, ein gutes Ergebnis erzielt zu haben. Das reduziert Abbrüche, Nachverhandlungen und Konflikte.
Möchten Sie wissen, was Ihre Immobilie in Bielefeld oder Ostwestfalen-Lippe heute am Markt wert ist? Sprechen Sie mich an. Gemeinsam ermitteln wir einen fairen, nachvollziehbaren Preis und planen den Verkauf so, dass er zu Ihren Zielen passt, persönlich, transparent und diskret.
Über den Autor
Frank Machwitz ist Immobilienmakler in Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe und führt KENSINGTON Finest Properties für Bielefeld über die assetpool GmbH. Er ist DEKRA-zertifizierter Immobilienmakler und DESAG-zertifizierter Bewertungssachverständiger. Sein Schwerpunkt liegt auf Wohnimmobilien, sanierungsbedürftigen Objekten sowie hochwertigen Wohn- und Gewerbeimmobilien.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Bewertungsberatung. Die genannten Praxiszahlen beziehen sich auf die jüngsten Verkäufe des Autors und sind keine Marktstatistik. Das Rechenbeispiel ist fiktiv.
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